Unsere Passage durch den Panamakanal

Schleuse vor dem Atlantik
Schleuse vor dem Atlantik

Der 11.12.19 ist der große Tag, wir verlassen mit unserem Segelboot vela dare die Shelterbay Marina um den Panamakanal zu überqueren.

Vorbereitungen für den Panamakanal

Da sich der Preis für die Kanalüberquerung ab Januar 2020 für kleine Boote verdoppeln wird, gibt es in diesem Jahr viel mehr Segelboote, die im Dezember passieren wollen. Also ließen wir im November das Boot vermessen und zahlten das Geld für die Ûberfahrt an der City Bank ein und vereinbarten einen Termin für 10. Dezember um den Kanal zu überqueren. Wir haben keinen Agenten angestellt und die Formalitäten selber erledigt, weil es nur eine E-Mail, zwei Telefonate und einen Besuch bei der Bank braucht, um alles zu organisieren. Details dazu findet ihr im Blog von „Vagabond Voyage“ hier. (auf Französisch) und eine Liste mit weitere Links über den Panama Kanal hier.

Wir verbrachten eine Woche in Shelter Bay Marina. Zwischen den Einkäufe (ab 400 Dollar im El Rey kann man den Einkauf zu der Marina gratis liefern lassen), die Wäsche, den E-Mails mit der Versicherung, weil wir die Versicherungszone wechseln werden, das Putzen vom Boot, den Essenszubereitungen für die Passage, den Aperitifs und das Baden am Pool ist war die Zeit schnell vorbei.

Einkauf für mehrere Monate
Einkauf für mehrere Monate

Wir haben auch die Gelegenheit genutzt, zwei neue Halterungen für unseren Windgenerator zu installieren (Marke Silent Wind). Dieser vibrierte enorm und der ganze Geräteträger bewegte sich. Jetzt vibriert es etwas weniger, aber meiner Meinung nach ist es immer noch ein Instrument, das uns ein Vermögen gekostet hat, um uns viel Mühe und wenig Strom zu bringen, und das ich nie wieder kaufen würde.

Das zweite Loch in unserem Budget war die Bestellung einer neuen kleinen Genua. Wir rissen unsere kleine Genua zwischen der San Blas und der Marina und es war nicht mehr zu reparieren. Wir haben nur ein einziges Ersatzsegel auf dem Boot, und es ist ein ziemlich leichtes Segel. Wir haben kein Ersatzsegel für unser Großsegel oder für die grosse Genua. Und wir benutzen die kleine Genua bei starkem Wind oder zum Segeln in „Schmetterlingen“. Also haben wir uns entschlossen, vela dare vorzeitig ein Weihnachtsgeschenk zu machen und eine neue Genua zu kaufen. Bill vom Sail Loft kam, um die Messungen durchzuführen. Unsere neue Genua wird in Sri Lanka hergestellt (Zoom Sails) und sollte Mitte Januar nach Panama geschickt werden.

Der erste Tag der Panamakanal Überquerung

Christian, unser Schweizer Freund, war bereits auf dem Boot. Also mussten wir noch zwei weiteren Linehandlern suchen. Wir nahmen John mit, mit dem wir bereits im Mai die Überfahrt auf dem Boot Le Pukeko gemacht hatten. Thierry, ein weiterer Schweizer, der normalerweise als Crew auf dem Yum Yum Boot ist, kam mit uns, um sich vor der Überfahrt mit Yum Yum eine Vorstellung zu machen.

Unser Termin war um 15 Uhr aber schließlich kam unser Berater Julio (es gibt immer ein Advisor pro Boot, der Instruktionen gibt wie man sich festmachen muss, wo man hingehen muss usw.)  kurz vor 18 Uhr. Dementsprechend war es auch Nacht wenn wir über den ersten Schleusen mussten.

Gleich am Eingang der ersten Schleuse bildeten wir ein Paket mit den Segelbooten. Wir waren 3 Segelboote, ein großer Katamaran (Mardi Gras) in der Mitte, Seatramp an Steuerbord und wir am Steuerboard. Seatramp macht Videos auf Youtube und ihr könnt bald ihre Version von der Panamakanal Überquerung sehen.

Thierry und ich waren vorne am Boot, um das „Affenfaust“, einen Lederball, an dem wir unser Seil befestigen, zu empfangen und dafür zu sorgen, dass das Seil fest bleibt, wenn das Wasser in der Schleuse ankommt. Damit wird sichergestellt, dass das Boot in der Mitte der Schleuse bleibt. Christian und John waren hinten und Willi war am Steuerrad.

Willi und John bei der ersten Schleuse
Willi und John bei der ersten Schleuse
Thierry und Magali vorne auf vela dare
Thierry und Magali vorne auf vela dare

Schließlich war es 21 Uhr, als wir an der großen Boje im Gatunsee ankamen. Wir mussten uns an dem Katamaran festbinden, da es sonst kein Platz mehr an der Boje gab. Und da die Schleuse 24/24h bedient werden, gab es viele Wellen, als die großen Boote durchfuhren. Wir schaukelten viel und die Seile quietschten auch dauernd (direkt neben meinem Kopf, also habe ich nicht viel geschlafen).

Zweiter Tag der Panamakanalüberquerung

Nach einem erfrischenden Bad im Gatun See kam unser Berater David gegen 8:30 Uhr zu uns auf vela dare. Wir sollten um 13:30 Uhr am Eingang der ersten Schleuse sein, also mussten wir ein wenig Gaz geben um pünktlich dorthin zu gelangen.

Alle sehr konzentriert
Alle sehr konzentriert
3 Linehandlers, 1 Kapitän und 1 Advisor
3 Linehandlers, 1 Kapitän und 1 Advisor

Allerdings haben wir 4 Stunden gebraucht, um die Schleusen zu passieren. Zunächst musste das Kreuzfahrtschiff in der rechten Schleuse installiert werden. Dann mussten wir das Segelbootpaket bilden und ganz vorne in der linken Schleuse gehen. Dann mussten die Lokomotiven den Tanker hinter uns bringen. Dieser war sehr breit und sehr schwer und  es hat viel Zeit gekostet um den sicher festzumachen.  

Cruiser Ship in der nächsten Schleuse, vor uns Mardi Gras und Sea Tramp
Cruiser Ship in der nächsten Schleuse, eben uns Mardi Gras und Seatramp
Hinter uns der Tanker
Hinter uns der Tanker
Bild von den 3 Booten aus dem Webcam
Bild vons uns 3 Booten vor dem Tanker aus dem Webcam von Miraflores Schleuse
Fast im Pazifik
Fast im Pazifik

An der letzten Schleuse ging Thierry zum Seatramp zurück und wir fuhren dann weiter zum Ankerplatz Las Brisas. Diesmal haben wir wirklich vollgaz gegeben (6.8 knoten!), aber wir kamen trotzdem nachts am Ankerplatz an. Eine sehr unangenehme Erfahrung, da viele Boote kein Licht oder AIS haben und wir fast nichts sehen konnten…….

Was passiert als nächstes?

Christian lud uns für 2 Nächte in der Flamenco Marina ein. Es war sehr bequem um ans Land zu gehen und den Fischmarkt und die Altstadt zu besuchen.

Fischermarkt in Panama City
Fischermarkt in Panama City

Aber wir haben gespürt, dass die Marinas überhaupt nicht an kleine Boote interessiert sind. Es gab nur eine Dusche, kein heißes Wasser und keinen Duschkopf…. und sie stellten uns direkt am Eingang der Marina, also wurden wir in alle Richtungen geschüttelt (Flut, Wellen, anderen Boote die rein und raus gingen….), die Seilen knarrten, die Pontons bewegten sich und wir hatten den Eindruck, dass sie auseinander brechen würden und es gab zusàtzlich den Lärm der Baustelle direkt nebenan (Bau eines neuen Hafens).

vela dare ist das kleinste Boot in der Marina
vela dare in Flamenco Bay Marina, wir sind das kleinste Boot

Am 13. Dezember nahm Christian ein Taxi zum Flughafen und wir fuhren mit dem Bus zum Einkaufszentrum Albrook Mall.

Wir hatten Regenwasser in San Blas gesammelt und haben es durch unsere Filter geleitet, bevor wir es in unsere Wassertanks getan haben, und jetzt sind unsere Filter verstopft. Da wir nicht die richtigen Filter hier für unserem System bekommen (Atlas, eine europäische Marke), haben wir nach einem neuen Filtersystem gesucht….

Wir haben gespürt, dass Weihnachten bald kommt, es gibt überall (Plastik-)Dekorationen, Weihnachtslieder und eine beeindruckende Menge Leute in der Mall, die ihre Weinhachtsshopping machen. Ich war froh, wieder auf vela dare zu kommen.


Derzeit sind wir am Ankerplatz von Las Brisas (vor Panama City) und wir lesen die Infos über die Inseln von Las Perlas, die normalerweise unsere nächste Station sein werden. Wir müssen noch die Details für eine Lieferung von Antifouling (als Reserve für nächstes Jahr, weil uns gesagt wurde, dass es unmöglich ist, Farbe für Aluminiumboote zu angemessenen Preisen in Französisch-Polynesien zu finden) und Ersatzteile für unsere Winden ausarbeiten.


Es ist sehr heiß, es gibt entweder kein Wind oder Gewitter, und wir haben nicht viel Energie…. Wir entspannen nach den letzten Monaten (und besonders den letzten Tagen), die intensiv waren. Langsam beginnen wir zu erkennen, dass wir im Pazifik sind! Und die Überquerung des Pazifiks wird ca. doppelt so lang wie vom Atlantik sein…

8 Gedanken zu „Unsere Passage durch den Panamakanal

  1. Liebe Magali,
    lieber Willi,

    ich danke euch für eure Reiseberichte. So bin ich in meinen Gedanken mit euch unterwegs.

    Ist es 2 oder 3 Jahre her, dass wir in Puerto de Mogan nebeneinander lagen?

    Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit auf dem Pazifik und schicke euch meine Vor-Weihnachtlichen Wünsche,
    Mathias (Laluma, Frankfurt)

    • Hallo Mathias
      Schön von Dir zu lesen. Wir waren in Dezember 2017 in Puerto de Mogan, damals waren wir ganz aufgeregt wegen der Atlantik Überquerung, und jetzt bereiten wir uns für die Pazifik Überquerung. Wir haben einiges in der Zwischenzeit gelernt und es bleibt noch viel zu lernen! Das Segelleben ist spannend.
      Wir wünschen Dir auch schöne Weinhachtstagen.
      Viele Grüsse aus Las Brisas, Panama, Pazifik
      Magali und Willi

  2. Ahoi,

    freut mich zu hören, dass ihr gut am anderen Ende angekommen seid! Alles Gute und viel Glück für den Pazifik!

    Fröhliche Weihnachten!
    Henning

  3. Hey ihr beiden,

    Glückwunsch zum Erreichen des nächsten großen Meilensteins eurer Reise! Wir verfolgen euch nach wie vor, sind immer noch ganz neidisch und sind echt beeindruckt zu sehen, wie ihr euer Ding durchzieht. Die nächste Etappe wird spannend, aber das macht ihr schon.

    Wir denken immer wieder gerne an unsere gemeinsame Zeit auf Madeira und den Kanaren zurück.

    Alles Gute, schöne Weihnachten und eine großartige weitere Reise wünscht die Crew der Krassy (die die nächste Saison zur Abwechslung mal auf dem Trockenen verbringen wird)

    Steffi und Christian

    • Hallo
      Schön von euch zu lesen. Wir errinern uns auch gerne an die gemeinsame Zeit und Diskussionen und eurer Enthusiasmus.
      Der Panama Kans war wiklich ein Meilenstein und es war auch anstrengend, man merkt erst im Nachhinein wie angespannt wir waren… wir hatten schon X Stories über Steuerbruch, Motoropannen, verstopfe Filtern usw. gehört/gelesen. Aber unsere vela dare war ganz brav und hat uns sicher und ohne Panne durch den Kanal gebracht. Sie ist sogar bis 6.8 Knoten gefahren! Wir mussten wirklich schnell fahren als wir aus der Schleuse rauswaren um nicht zu spät am Ankerplatz zu kommen…
      Wir wünschen euch auch frohe Festtagen und einen guten Rutsch in 2020. Und auch viel Erfolg bei euren Projekten (ich nehme an, dass es der Grund ist, warum Krassy au dem Trockenen sein wird)
      Warme Grüsse aus Panama
      Magali und Willi

  4. Hallo,wir sind Inge und Klaus-Peter Jaschke,Rentner,von der SY HEMBADOO seit 2015 unterwegs im Moment noch in Saint Marten Karibik. Wir wollen 20/21 durch den Panamal Kanal aber leider haben wir gelesen das es ein El Nino geben soll und nun haben wir kleinere Sorgen/Bedenken und das man im Pazifik-Raum/Inseln kaum noch gern gesehen wird und ankern kann. (Trans-Ozean-Berichte)
    Werden-also haben erstmal geplant im August/September mit unseren Kindern&Enkeln in Panama URLAUB zu machen.Vielleicht habt ihr für uns einpaar Anregungen und Tipps/Ideen andere Leute.
    Wir freuen uns jedenfalls riesig für Euch das Ihr es geschafft habt und toi toi toi weiterhin alles gute und Gesundheit.
    seevagabunden.blogspot.com
    Whatsapp +4915785222303
    info@k-jaschke.de
    ingrid@k-jaschke.de
    LG von uns Inge und Klaus bleibt gesund
    Würden uns riesig freuen von Euch zu hören/lesen

    • Hallo
      Danke. Bis jetzt haben wir Panama von Boot aus gesehen und nicht mit Mietwagen, so ist es schwierig etwas zu empfehlen. Ohne eigenes Boot sind die Inseln von San Blas so wie von Las Perlas nicht so einfach zu erreichen und die Preise für Ausflüge dort eher hoch. Die Altstadt in Panama wurde schön renoviert und den Fischmarkt ist auch toll.
      VIele Grüsse aus Isla Viveros
      Magali

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