Schwerer Anfang in die USA

Charlotte Amalie, St Thomas, USVI

Bevor wir in die U.S. Virgin Islands (USVI) einreisen konnten, mussten wir die Zollformalitäten erledigen, um die British Virgin Islands zu verlassen. Dafür haben wir unsere idyllische Bucht verlassen, um nach Sopers Hole auf der Insel Tortola zu segeln.

Sopers Hole, Behördezelt, Mai 2018

Nach den Bildern von unserem Führer von 2017 hatte Sopers Hole mehrere Yachthäfen und eine wunderschön gestaltete Küste Promenade. Im Mai 2018 sind die Spuren des Hurrikans immer noch da: Es riecht nach faulen Eiern aus dem stehenden Wasser in den Gebieten wo vom Meerwasser überspült worden sind. Die meisten Dächer sind noch nicht wieder repariert, die Häuser sind verbarrikadiert und die Zollbehörden haben kein Haus für ihr Büro, sondern nur ein Zelt. Ein weißes Zelt, Stühle und Campingtische, 6 Personen (2 für Zoll, 2 für Einwanderung, 2 für Hafenbehörden), Stapel von Papieren mit Steinen beschwert, damit sie nicht wegfliegen…. Da es nur wenige Segler gibt, die hier im Moment ein oder ausklarieren, war der Papierkram schnell erledigt. Am schwierigsten war es, das Beiboot am Ponton zu befestigen, der normalerweise für Fähren vorgesehen ist, um dann über alten Reifen auf den Ponton zu klettern.

Sopers Hole, Mai 2018

Wir haben in Sopers Hole eine Boje genommen (30 US Dollar), weil das Wasser sehr tief ist und weil es am Grund der Bucht einige Wracks gibt. Nachdem wir die Zollformalitäten erledigt hatten, gingen wir an Land, ins ehemalige Touristenzentrum. Überall sind sie am Reparieren, viele Bars, Restaurants und Geschäfte sind geschlossen auf der alten beschädigten Promenade. Wir folgten einer Straße auf einen Hügel, um ein paar Fotos zu machen und gingen dann eine Pizza und einen Käsekuchen im einzigen geöffneten Restaurant essen. Dann kehrten wir zum Boot zurück. An der Küste ca. 100m entfernt von uns, bewunderten wir das Schauspiel wie die  Pelikane und Fregattvögel fischen.

Am Freitagmorgen segelten wir nach Charlotte Amalie zu den Amerikanischen Jungferninseln (USVI). Wir hatten sehr widersprüchliche Hinweise zwischen „noonsite“, unserem Leitfaden und verschiedenen Blogs über die Vorgehensweise bei den Zollformalitäten. Es ist in der Tat unsere erste Ankunft mit dem Boot auf dem amerikanischen Territorium und man soll erst nach dem Einklarieren durch den Skipper den  amerikanischen Boden betreten.

Die Überquerung zu Charlotte Amalie in die USVI verlief trotz der Starkwindböen, die uns Regen mit über 30 Knoten Wind brachte, gut. Die Schwierigkeiten begannen, als wir in der Bucht vor Charlotte Amalie ankamen. Es gab 25 Knoten Wind und Seegang, so dass es unmöglich war, vor dem Fähranleger zu ankern, wie in unserem Führer angegeben wird. Also ankerten  wir in der Mitte der Bucht, in 6-7 Meter schlammiges Wasser: vela dare bewegte sich in alle Richtungen…… Bei 25 Knoten Wind das Dinghy ins Wasser zu bringen war schwierig, dann war es ein Balanceakt, den Motor darauf zu montieren, ohne ins Wasser zu fallen. Um zum Fähranleger, wo sich die Zollämter befinden, mit dem Dinghy zu fahren haben wir dann auch 20 Minuten gebraucht. Dann wurde uns gesagt, wir sollten neben einer Fähre anlegen. Wir hatten Mühe bei den Wellen unser Dinghy an den 1,5 Meter höher gelegenen Festmacherleinen zu befestigen, um dann auf diesen Ponton zu klettern. Als wir dann am „Gate zur Immigration“ ankamen, wurden uns gesagt dass das „restricted area“ ist und es verboten ist hier mit sein Dinghy anzulegen und wir dieses Gebiet verlassen sollten. Also zurück zum Dinghy und auf die andere Seite des Zaunes… Was eigentlich absolut unmöglich ist, denn der Ponton noch höher ist und voller Nägel…. So fuhren wir mit unserem Dinghy in Richtung Stadtzentrum und parkten es direkt vor dem Marktplatz. Es war seltsam, weil es dort nur ein anderes Boot  gab und wir nicht sicher waren ob wir hier durften oder nicht. Diese Anleger waren reserviert für „small craft vessels“, aber es gab nicht zu viele Wellen und einen nicht zu hohen Ponton. Dann liefen wir 20 Minuten zurück zum Fähranleger mit dem Immigration-Buro. Dort haben wir 3 Leute gefragt, bevor wir den richtigen Ort für die Zollformalitäten fanden. An der Tür steht ein Schild, das darauf hinweist, dass es die Behörden für die Frachtschiffe sind…. Glücklicherweise hatten wir genügend Zeit eingeplant, denn das Büro schließt um 15.30 Uhr und nicht um 17.00 Uhr, wie im Führer angegeben. Zollformalitäten und Fingerabdrücke waren dann aber in 15 Minuten erledigt (wir hatten schon „multiple Entry Visa“ für die USA in der Schweiz besorgt). Wir kamen mit einem Stempel für 6 Monate in unserem Pass heraus und erhielten ein Dokument, das wir ausfüllen und damit zum Zollamt zurückkommen mussen, bevor wir nach Puerto Rico weiter gehen können.

Wir wollten in die USVI in Charlotte Amalie ein neues Telefon für Willi kaufen, eine US-Telefonkarte, einen Führer zu den Bahamas sowie Obst und Gemüse. In der Innenstadt haben wir nichts davon gefunden. In der Tat gibt es im Zentrum nur Juweliere, Luxusbrillenläden und Parfümerien, alle zollfrei für die Kreuzfahrtschiff-Passagiere…. Also kamen wir auf vela dare zurück, um unsere Papiere zurück zubringen und fuhren zur Marina Yacht Haven Grande am anderen Ende der Bucht. Der Yachthafen ist nur für riesige Boote gebaut und es gibt dort viele Luxusläden für Uhren und Kleider; nichts für uns. Wir gingen ausserhalb der Marina einen Supermarkt suchen und dort dann einkaufen. Dann zu  Mac Donald’s, für WIFI was aber leider nicht funktionierte…. dann kamen wir zurück zu vela dare. Da es noch sehr viel Schwell hatte, wollten wir näher an der Marina Yacht Haven Grande ankern um etwas geschützter zu sein. Aber als wir versuchten, den Anker rauszuholen merkten wir, dass  er sich nicht mehr hochziehen lässt… wir sassen fest… Es war auch schon ziemlich spät und es wurde langsam dunkel. So legten wir 25 Meter Kette wieder aus. Wir hatten eine schlechte Nacht mit Böen von 25 Knoten Wind mit vielen Wellen. Willi legte sich schließlich in die Achterkajüte, weil er hoffte, dass es dort ruhiger ist und er dort schlafen könnte.

Am Morgen tauchte ich, um zu sehen, was unseren Anker hielt. Aber gerade als ich ins Wasser ging, begann es zu regnen und ich hatte nur einen Meter Sicht, also war es unmöglich zu wissen, warum der Anker feststeckte. Als die Sonne zurückkam, tauchte Willi um den Anker in 6m Tiefe zu suchen. Unser Anker lag auf der Seite (fast auf dem Rücken) und die Spitze steckte in einem Glied einer riesigen rostigen Kette…. also je mehr wir zogen, desto mehr steckten wir alles fest. Wir hatten immer noch Windböen mit 25 Knoten, Seegang, Wellen und Regenschauer…. Wir wollten einen Taucher anrufen, der uns hilft, aber wir hatten keine Telefonkarte und wir wollten das Boot nicht verlassen, weil wir nicht wussten, wie lange unser Anker so halten würde…… Schließlich schlug Willi vor, die Kette unseres Ankers auf das Maximum anzuheben, damit er tauchen und zwei Seile befestigen konnte. Ein Seil wurde durch ein Glied in der Kette geführt, welche uns hielt, und dann am Bug unseres Bootes befestigt, so dass das Boot nicht wegdriftet, wenn unser Anker gelöst war. Ein zweites Seil wurde durch den Bügel unseres Ankers geführt. Zieht man nämlich am oberen Teil des Ankers, kippt der Anker und löst sich hoffentlich vom Kettenglied.  Natürlich hatten wir nicht gerade die passenden Seile an Bord… Die einen zu lang und zu dick um durch ein Kettenglied zu passen, andere die nicht stark genug waren. Also mussten wir 2 zusammen knoten,  die aber wieder  daran hinderten das Seil abzuziehen…. Nach 3 Stunden Manöver waren wir endlich frei! Wir hatten genug vom Ankern und wollten eine Boje nehmen. Aber die einzigen freien Bojen waren mit Algen bedeckt und sahen nicht so aus als würden sie unser Boot halten. Also versuchten wir erneut, unseren Anker zu setzen. Zuerst war es unmöglich, Anker und Kette ins Wasser zu lassen…. dann sah Willi, dass der Sicherungshebel der Winch, der die Kette hält, unbeabsichtigt eingerastet war.  Der zweite Versuch war ebenfalls erfolglos, da wir zu nah an einem anderen Boot waren. Endlich beim dritten Versuch hat’s geklappt! Willi tauchte noch einmal, um sicher zu sein, dass sich keine Kette oder Leine in der Nähe unseres Ankers befindet, und der Anker gut im Sand eingegraben war. Wir brauchten vier anstrengende Stunden, um unseren Anker wieder  frei zu bekommen und neu zu setzen! Dann schnell weiter, wir mussten unbedingt eine amerikanische Telefonkarte kaufen, bevor der Laden schließt (Samstagnachmittag….). Um uns zu belohnen, gingen wir in ein Restaurant in der Nähe des Hafens, um Hamburger zu essen. Nicht das Traumrestaurant, aber wir waren sehr hungrig und es gab ein WIFI, das funktionierte….

Schwer, schwer, unsere schöne ruhige Bucht auf Norman Island zu verlassen, um unter solchen Bedingungen  Charlotte Amalie in USVI zu treffen. Wir ankern jetzt in Ufernähe, es gibt immer noch Schwell und Böen von 25 Knoten, aber weniger Wellen, das Wasser ist trüb und lädt nicht zu schwimmen ein, man kann den Verkehr von der Straße aus hören (es gibt eine mehrere Kilometer lange Autosschlange wegen einer Baustelle entlang des Ufers), der Lärm der Bagger, die die Ruinen eines Hauses entfernen, die Alarmanlagen von Autos, die ständig losgehen…. Ich wäre gerne in eine andere Bucht gegangen, aber der Wind ist sehr stark und Schwell gross, so dass die anderen Buchten noch weniger gut geschützt sind und wir müssten  gegen den Wind zurück zu segeln (und ja, es ist notwendig, zurück zum Zollamt zu gehen mit der berühmten Formular fürs ausklarieren….).

Wir werden am frühen Dienstagmorgen nach Puerto Rico aufbrechen. Ich hoffe, dass bis dahin der Wind und die Wellen nachgelassen haben.

PS: als wir zum Zoll mit unserem Dokument ankamen, hiess es zuerst: ihr braucht nicht auszuklarieren für Puerto Rico. Dann hat aber einen anderen Beamten gefragt von wir wir sind und hat uns das Papier gestempelt. Vielleicht hat man mit schweizer Flagge eine andere Behandlung als mit deutscher Flagge???

6 Gedanken zu “Schwerer Anfang in die USA

  1. Hallo,
    Das war ja ein langer Bericht. Meistens beneide ich euch, aber solche Geschichten holen mich dann auf den Boden der Tatsachen zurück.
    Wir wünschen euch für die nächsten Wochen nur tollen Wind, Sonne, Ruhe und keine unvorhergesehenen Zwischenfälle.
    Liebe Grüsse aus der Heimat
    Beatrix, Günter und Max

    • Hallo
      Ja, auch unter der tropischen Sonne gibt es Tagen, wo alles schief geht… hoffentlich gibt es nicht zu viele solche Tagen.
      Viele Grüsse aus Puerto Rico

  2. Oh, meine Güte Magali, Ihr habt ja Nerven, Ausdauer, Mut und Energie, immer wieder Probleme zu lösen.
    Gratuliere und dann hoffentlich wieder eine idyllische Bucht mit weniger Herausforderungen.
    Ruth

    • Ja, unsere Neven werden manchmal recht strapaziert… Einerseits ist es toll so viel neues zu entdecken aber andersrum kann es auch anstrengend werden.
      Viele Grüsse aus Puerto Rico (ich werde das Glück haben, dort zu erfahren ob den Zahnarzt gut arbeitet…ich habe gerade ein Stück Zahn gebrochen)

  3. Hey ihr beiden,

    erstaunlich, wie unterschiedlich sich der gleiche Ort bei zwei verschiedenen Besuchen präsentieren kann – wir fanden’s eigentlich ganz nett in Charlotte Amalie. 🙂

    Und so eine Anker-Action ist uns zum Glück auch erspart geblieben. Interessant, wie unterschiedlich die Ein- und Ausklarierung gehandhabt wird. Wahrscheinlich wissen die Officers selbst nicht genau, wie der Ablauf ist. Insgesamt haben sich uns die USA in dieser Hinsicht entspannter gezeigt als angenommen…

    LG von der Krassy

    • Hallo
      Ja man weiss nie was die Behörden sehen wollen. Wir haben ein Cruising Permit in Puerto Rico beantragt, sie haben es geschaft, die falsche Nationalität drau zu tun (Sweden…). Also nochmal beantragen…
      Charlotte Amalie wollte uns nicht weg lassen: unser Anker steckte zum 2. Mal in einer Kette! Diesmal konnten wir uns aber in 30 Minuten davon lösen. Zum Glück da wir noch nach Puerto Rico segeln wollten und vor der Nacht dort ankommen wollten.
      Gute Weiterreise
      Magali

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